14.03.2018

BilRess Netzwerk liefert Anregungen für Ressourceneffizienz

Die 8. BilRess-Konferenz des Netzwerks Bildung für Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz fand am 6. März in Frankfurt am Main stat. Sie lieferte zahlreiche Anregungen für den Weg zu einer nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft. Das vom IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH ausgerichtete Treffen beleuchtete den Bedarf an Ressourcenbildung aus der Perspektive der Lernenden. Die verantwortlichen Organisatoren Prof. Holger Rohn und Dr. Michael Scharp ließen dazu Vertreter aus allen vier Bildungsbereichen in Vorträgen zu Wort kommen.

Eine Gruppe von engagierten Schülerinnen und Schülern aus der Integrierten Gesamtschule Ernst Bloch, Ludwigshafen, berichtete von Nachhaltigkeitsprojekten in der Phase der Schulbildung. Themen wie Vermeidung von Transportwegen durch regionale Versorgung, Vermeidung von Materialverbrauch (z. B. bei Müllbeuteln), Substitution von konventionellen Produkten (z. B. bei der Lebensmittelversorgung) oder auch Vermeidung von Energiekosten durch intelligente Heizung und Lüftung weisen dort die Wege des Umdenkens.

Die betriebliche Ebene bildete Peter Lückerath, EnergieAgentur NRW, in seinem Vortrag ab. Energie-Scouts sind für Lückerath ein Erfolgsmodell, um ökonomisch und ökologisch im Betrieb Verbesserungen zu betreiben. Auszubildende ermitteln Effizienzmaßnahmen im Betrieb und begleiten deren Umsetzung. Jede Seite profitiert bei diesem Modell. Die Auszubildenden erhalten Zusatzqualifikationen in den Bereichen Ressourcenmanagement, Präsentationstechnik und Projektmanagement. Sie können schon früh wertvolle Beiträge im Unternehmen leisten. Darüber hinaus erfahren sie Wertschätzung, die eine verstärkende Wirkung für das Streben nach Effizienz auslösen kann. Die Firma kann stellenweise Betriebsblindheit überwinden. Sie hat Mitarbeiter zur Verfügung, die meist über mehr Zeit als die Stammbelegschaft verfügen und die Know-how und Ideen neu einbringen. Dieser Ausbildungsprozess ist bei den Industrie- und Handelskammern angesiedelt. Inzwischen wird das Spektrum der Ausbildung von Energieeffizienz in Richtung Materialeffizienz erweitert. Das Erfolgsrezept der Energie-Scouts soll in den nächsten Jahren auch in anderen europäischen Ländern umgesetzt werden.

Die Phase der Hochschulbildung wurde durch Studierende der Hochschule Pforzheim dargestellt. Dort vermitteln der Bachelorstudiengang Ressourceneffizienzmanagement und der Studiengang Master of Life Cycle & Sustainability fundierte Kenntnisse für mehr Nachhaltigkeit. Beide Curricula kombinieren betriebswirtschaftliche Aspekte mit Umweltmanagement und technischem Wissen. Der mit Praxiserfahrung angereicherte Studienabschluss bereitet auf vielfältige Einsatzmöglichkeiten in Unternehmen vor. Schwerpunkte des späteren Einsatzes sind Schnittstellenbereiche, die Effizienz- und Umweltaspekte steuern und weiterentwickeln.

Die Weiterbildungsphase beleuchtete Aiko Müller-Buchzik, ReNOB, aus Beratersicht. Mit dem Wissen, dass durchschnittlich 43 Prozent der Unternehmenskosten im Bereich Material liegen und nur drei Prozent im Bereich Energie, ist ein Schwenk des Effizienzfokus von Energie auf Material ökonomisch sinnvoll. Entsprechend richten sich Verbesserungsanstrengungen mehr und mehr auf die Materialströme. Dabei fließen bekannte Methoden ein, wie das Lean Management oder die Materialflusskostenrechnung. Energieeinsparungen werden zum gern gesehenen Mitnahmeeffekt, denn jedes nicht verarbeitete Material benötigt auch keine Energie – von der Beschaffung über die Verarbeitung bis zur Entsorgung. Die Maßnahmen im Materialbereich sind nicht universell für alle Branchen einsetzbar, wie es beispielweise bei der Optimierung von Beleuchtung im Energiebereich gängig ist. Unternehmerisches Engagement für individuellere Lösungen ist gefragt. Dabei muss unternehmensinterne Prozesskompetenz verbunden werden mit der methodischen Identifizierung von Ansatzpunkten. Cross-funktionale Teams sind ein Weg.

Neben den Vorträgen trug über ein Dutzend Aussteller von Bildungsinstituten bis zur VDI Zentrum für Ressourceneffizienz GmbH zur Konferenz bei. Umwelttechnik BW GmbH stellte den Expertenatlas Ressourceneffizienz www.consultare-bw.de vor. Unternehmen finden in diesem Online-Tool über eine umfangreiche, aber dennoch schnell und eingängig bedienbare Recherche die für sie passenden Ressourceneffizienz-Experten. Die Suchergebnisse spiegeln die nachgewiesene Kompetenz der Experten und die Qualität der bisherigen Beratungsdienstleistungen wieder.

Im zweiten Abschnitt der Konferenz konnten die Teilnehmer bei verschiedenen Lernstationen einzelne Aspekte der Ressourcenbildung erfahren. Die Ringvorlesung Ressourceneffizienz mit Begleitseminar der Hochschule Darmstadt hat zum Beispiel zahlreiche YouTube-Videos erstellt, die unter dem Suchbegriff „Initiative: Nachhaltige Entwicklung“ abrufbar sind. Das Holz- und Technikmuseum Wettenberg-Wißmar zeigte anschaulich die positive Ökobilanz von Holz. Es empfiehlt den Werkstoff damit eindrücklich für Maßnahmen der Materialsubstitution.

Die ifu Hamburg GmbH und der Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier demonstrierten in einem Lernbeispiel die wirkungsvolle Life-Cycle-Modellierung mit der Software Umberto. Sie bildet viele Kennzahlen aus den Umweltnormen ab. In Baden-Württemberg ist aus der gezeigten Umberto-Familie kostenfrei das Tool bw!MFCA verfügbar. Es ermöglicht Materialflusskostenrechnung nach DIN EN ISO 14051 und kann auch den Umweltaspekt der CO2-Bilanz abbilden. Effizienzmaßnahmen werden durch diese Tools unterstützt und quantitativ bewertet.

Die nächste BilRess-Konferenz findet im September 2018 statt. Aktuelle Informationen zum BilRess-Netzwerk sind zu finden unter www.bilress.de. Dort besteht auch die Möglichkeit, dem kostenfreien Netzwerk beizutreten.

Umwelttechnik BW GmbH bietet zu bw!MFCA und anderen Themen der Ressourceneffizienz für Unternehmen aus Baden-Württemberg kostenfrei Schulungen an.

Autor

Jürgen Römhild

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UTBW

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