27.09.2017

Ressourcen im Garten- und Landschaftsbau

7. Konferenz des Netzwerks Bildung für Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz

Die 7. BilRess-Netzwerkkonferenz stand unter dem Motto Bildung:Ressourcen:Garten:Landschaft und fand passend dazu auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau in Berlin statt. Die Referenten führten deutlich vor Augen, welche großen Ressourcenmengen im Garten- und Landschaftsbau bewegt werden, welche zeitlich weit reichende Tragweite Entscheidungen bei der Gestaltung natürlicher Flächen zu geformter Umwelt haben und welche interessanten Effekte neuere Gartentrends bewirken.

Prof. Holger Rohn, Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften gGmbH, und Dr. Michael Scharp, IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH, führten in den Konferenztag ein. Sie berichteten von der wachsenden Bedeutung der Ressourcenbildung. Das zeigt sich auch an steigenden Mitgliederzahlen des BilRess-Netzwerks, die sich in den letzten zwei Jahren auf rund 330 Mitglieder verdoppelt haben. Matthias Kolle, Leitung Planung, Bau & Betrieb der IGA Berlin 2017 GmbH, führte aus, dass trotz nicht immer einfacher Limitationen durch Bauvorschriften die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) Beispiele für Ressourceneffizienz gibt: So wird in den 186 Schau-Tagen in rund 3500 Veranstaltungen informiert und weitergebildet. Die Gartenanlagen liegen mit etwa 15 Prozent Rückbauquote deutlich unter dem Üblichen bei Gartenschauen und tragen so maßgeblich zur Ressourcenschonung bei. Der unbebaute Anteil ist sehr hoch.

In drei Formaten ermöglichte die Konferenz aktiv teilzunehmen und Netzwerk-Kontakte auszubauen: Bei Tischgesprächen wurden einzelne BilRess-Themen des Garten- und Landschaftsbaus diskutiert. Die Wahl der Materialien für Gartengeräte, Gartengestaltung und Gartenpflege ist zum Beispiel ein wichtiger Hebel für die Ressourcenschonung. Eine Ausstellung zeigte umfangreiche Angebote zur Ressourcenbildung aus dem Netzwerk. Das Spektrum enthielt Ideen für nachhaltiges Design, Beispiele für ressourceneffiziente Produktion, Wege der Vermeidung von Ressourceneinsatz sowie der Weiter- und Wiederverwendung, Lehr-Medien, Forschungsergebnisse und viele weitere Informationen. Lernstationen der IGA stellen Lösungen und Ansätze für den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen vor. Beispiele: Urbaner Transport durch Seilbahnen ermöglicht sehr niedrige Schadstoffemissionen. Bambus lässt sich als nachhaltiger Rohstoff gut für Leichtbaukonstruktionen einsetzen. Die Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur kann mit der Fischzucht in Aquakultur – auch im städtischen Umfeld – wassersparend kombiniert werden. Industrie 4.0 hält Einzug in Gartengeräte. Während man von Benzinmotoren auf Akkubetrieb umstellt, kann man Gebrauchsdaten für die vorbeugende Wartung der Geräte erfassen.

Die Vorträge der Konferenz komplettierten die aktiven Angebote und boten zusammenfassende Überblicke: Prof. Dr. habil. Hartmut Balder, Beuth Hochschule für Technik Berlin, gewährte interessante Einblicke in die Tragweite der kommunalen Garten- und Landschaftsgestaltung. So werden Pflanzen heute meist weltweit versendet, mit der Folge, dass Schädlinge eingeschleppt oder ungeeignete Pflanzen für bestehende Boden- und Klimaverhältnisse eingesetzt werden. Die Investitionen in die Vorbereitung des Bodens sind häufig unzureichend und erzeugen hohe Kosten und Folgeschäden im Betrieb des kommunalen Grüns durch ungewünschte Wurzelrichtung oder absterbende Bäume. Viele Hinweise zur nachhaltigen Gestaltung von Gärten und Landschaften finden sich im Weißbuch Stadtgrün (Bezug www.gruen-in-der-stadt.de).

Prof. Dr. Stefan Bringezu, Universität Kassel, zeigte an eindrucksvollen Beispielen die Auswirkungen des heutigen Gartenbaus auf. 25 Quadratmeter Betonplattenterrasse entspricht 161 Kilogramm Kohlendioxidäquivalent. Dazu kommt die zunehmende Versiegelung der Fläche – mit der Begründung, dass Gartenbauer bei den üblichen Marktpreisen mehr an Steinbau als an Pflanzungen verdienen. Die im Trend liegenden Gabionen und Schotter-Vorgärten erzeugen ebenfalls massiven Ressourceneinsatz bei der Gewinnung der Steine und bieten nur sehr begrenzt Raum für natürliches Leben. Ein Kilogramm Ammoniumnitrat entspricht 8,6 Kilogramm Kohlendioxidäquivalent. Das neu abgebaute Phosphat ist meist gekoppelt mit Cadmium-Anteilen. Diese werden aufwändig per Aufbereitung entfernt. Die Gewässerverunreinigung ist immens in den Abbaugebieten, die zumeist noch in wasserarmen Regionen der Welt liegen. Auch in Deutschland verschmutzt der Kaliabbau Wasser. Kreisläufe statt immer neuen mineralischen Düngers sind gefragt. Der Benzinrasenmäher erzeugt ca. 27 Kilogramm Kohlendioxidäquivalent pro Jahr, plus Lärm. Beim heutigen deutschen Strom-Mix hat auch der Elektromäher nur zwei Jahre einen Bilanzvorteil. Die Frage ist allerdings, ob kleine und kleinste Rasenflächen motorisch gemäht werden müssen und ob der unkrautfreie ständig kurz gemähte Rasen in Sachen Biodiversität wirklich sinnvoll ist? Schließlich sind LED-Beleuchtungen in den Gärten allgegenwärtig. Sie verbrauchen weniger Energie als bisherige Technologien, sind aber ein klassisches Beispiel für den Rebound-Effekt. Durch die preisgünstige Verfügbarkeit und den geringen Stromverbrauch werden sie viel zahlreicher eingesetzt. In Summe bleibt meist keine Einsparung. Die in LEDs verbauten seltenen Erden haben ebenfalls gravierende Auswirkungen bei der Gewinnung in den entsprechenden begrenzten Regionen. Auch bei der Gartenbeleuchtung stellt sich die Frage, ob die ständige Beleuchtung der Natur, also unserer Lebensgrundlage zuträglich ist und wirklich sein muss? Als alternatives Beispiel zur nächtlichen Lichtverschmutzung wurde aus dem Auditorium der Sternenpark Rhön genannt.

Reinhard Kaiser, BMUB, ordnete das BilRess-Netzwerk in den Zusammenhang der Ressourceneffizienzinitiativen von OECD, G7, G20, EU und ProgRess II ein. Eine seiner Botschaften lautete „man müsse stets über Alternativen nachdenken“. Muss es Tropenholz sein? Müssen Steine aus fernen Ländern transportaufwändig importiert werden? Muss man ein Werkzeug besitzen oder kann man es auch teilen? Muss das Gartengerät motorisiert sein? „Die Leitfrage ist: Wie können wir mit weniger mehr erreichen?“, resümierte Kaiser. Und er forderte dazu auf, sich mit Ideen aktiv an der Fortschreibung des jetzigen deutschen Ressourceneffizienz-Programmes zu ProgRess III zu beteiligen.

Autor

Jürgen Römhild

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Umwelttechnik BW

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