07.12.2017

Welchen Weg geht Baden-Württemberg im Bereich des Recyclings von CFK?

Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) und die Landesagentur Umwelttechnik BW (UTBW) hatten am 21. November 2017 nach Pfinztal bei Karlsruhe zum Austausch über die Frage der Verwertung und Behandlung von CFK-Abfällen eingeladen. Kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) finden zunehmend neue Anwendungen in der Luftfahrt, in Automobilen, als Verstärkungen für Bauwerke wie z. B. Brücken oder auch in Flügeln moderner, großer Windenergieanlagen. Durch diese und weitere Einsatzgebiete werden in den kommenden Jahren verstärkt Altbauteile aus diesen Materialien für das Recycling anfallen.

Sowohl das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg als auch das Ministerium für Klima, Umwelt und Energiewirtschaft Baden-Württemberg arbeiten an der Fragestellung.

Das Wirtschaftsministerium, so Ministeriumsvertreter Dr. Christian Graf, fördert aktuell mehrere Projekte im Rahmen der Ausschreibung „Technologischer Ressourcenschutz“ mit dem Ziel, dass sich die baden-württembergische Industrie auf diesen Ressourcenstrom einstellt und eine Wertschöpfung, verbunden mit neuen Arbeitsplätzen entsteht. Martin Kneisel, Vertreter des Umweltministeriums, stellte in einem Impulsvortrag die Entsorgung CFK-haltiger Abfälle – Prüfung der aktuellen Situation durch die Ad-hoc-AG der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) im Auftrag der Umweltministerkonferenz vor. Die Umweltwirkung dieser Materialien und die Frage des sicheren Umgangs zur Vermeidung möglicher Gesundheitsfolgen ist hierbei ein besonderes Anliegen. Zwei Industrievertreter stellten ihre Dienstleistungen in der Aufbereitung und Verarbeitung von recycelten Kohlenstofffasern ebenfalls in einem kurzen Impulsvortrag vor. Chemiker Marco Limburg, der das Lehr- und Forschungsgebiet der Energierohstoffe an der RWTH Aachen begleitet, präsentierte erste Projektergebnisse zum Verhalten von CFK-haltigen Abfällen in der Verbrennung.

In zwei Workshops befassten sich die gut 30 Teilnehmenden, darunter mehr als die Hälfte aus der Industrie, mit der Eignung von Recyclingtechnologien und den bestehenden oder zu erreichenden Marktpotenzialen.

Die Tagungsleiterin Elisa Seiler des Fraunhofer ICT war positiv überrascht von den erarbeiteten Ergebnissen: „Unter den Teilnehmern war eindeutig zu merken, welche Bedeutung das Thema aktuell hat. Wir dürfen jedoch, neben all den Recycling-Bestrebungen auch nicht die Entsorgung außer Acht lassen.“ Das wurde besonders bei dem Thema der Sicherheit im Umgang mit dem Abfall deutlich. Auch Florian Sorg vom Mitveranstalter Umwelttechnik BW, der Landesagentur für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz Baden-Württemberg, zog eine positive Bilanz der Veranstaltung: „Seitens Wirtschaft wird gefordert, dass die Akteure entlang der Wertschöpfungskette sich vermehrt austauschen. Die lebhaften Diskussionen in den Workshops haben gezeigt, dass uns das für große Teile der CFK-Akteure zumindest im Rahmen dieser Veranstaltung bereits gelungen ist.“

Einziger Wehrmutstropfen: Unter den Teilnehmern war die Gruppe der Endanwender für recycelte CFK nicht vertreten. „Neben Aufklärungsarbeit sind für diese, wahrscheinlich wichtigste Stakeholder-Gruppe, noch etliche wissenschaftliche, technische aber auch wirtschaftliche Fragen zu klären, um die derzeitige Unsicherheit zu verringern und Vertrauen für diese Recyclingwerkstoffe zu erzielen“, resümierte Elisa Seiler.

Autor

Fraunhofer ICT / UTBW

Quelle

PM Fraunhofer ICT

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