17.10.2019

Großes Interesse der Industrie an Kunststoffrecycling-Forschungsprojekt „MaReK"

Im Rahmen des Forschungsprojekts „MaReK – Markerbasiertes Sortier- und Recyclingsystem für Kunststoffverpackungen“ wird an der Hochschule Pforzheim eine neue Möglichkeit der Sortierung von Abfällen untersucht. Das Konsortium lud 24. September 2019 zu einem internationalen Workshop ein, um die bisher erreichten Ergebnisse darzustellen und über die weitere Umsetzung zu diskutieren.

Da deutliche technische Fortschritte erforderlich sind, um den Kunststoffverbrauch in Deutschland und weltweit zu reduzieren, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Forschungsarbeiten im Förderschwerpunkt „Plastik in der Umwelt“.

Ab dem Jahr 2022 schreibt der Gesetzgeber für Kunststoffverpackungen in Deutschland eine Recyclingquote von 63 Gewichtsprozent vor. Technisch ist das Erreichen dieser Vorgabe derzeit nicht möglich. In Europa werden aktuell lediglich sechs Prozent des Kunststoffverbrauchs durch Rezyklate gedeckt. Weltweit werden derzeit knapp zehn Prozent aller Verpackungen rezykliert, weit überwiegend jedoch nicht als gleichwertige Verpackung, sondern in Anwendungen mit geringerer Qualität. Viele Kunststoffe gelangen in die Umwelt und letztlich in die Ozeane, wo sie zu Ökosysteme belasten. Daher fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Forschungsarbeiten im Förderschwerpunkt „Plastik in der Umwelt“. Im Rahmen des Forschungsprojekts „MaReK – Markerbasiertes Sortier- und Recyclingsystem für Kunststoffverpackungen“ wird dazu an der Hochschule Pforzheim eine neue Möglichkeit der Sortierung von Abfällen untersucht, um hochwertige Rezyklate aus Kunststoffabfällen herzustellen. An dem Projekt arbeiten neben dem Institut für Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim (HS PF) die drei Unternehmen Polysecure GmbH, Werner & Mertz GmbH, Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH sowie das Institut für Mikrostrukturtechnologie des KIT sowie als assoziierter Partner Umwelttechnik BW GmbH (Landesagentur für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz Baden-Württemberg) mit. Das Projektkonsortium untersucht einen auf Fluoreszenz-Markern basierenden Ansatz zur Erkennung von Kunststoffverpackungen. Das Konsortium lud nun zu einem international besetzten Workshop ein, um die bisher erreichten Ergebnisse vorzustellen und das durch den Projektpartner Polysecure GmbH entwickelte Sortierverfahren anhand einer Demonstrator-Sortieranlage zu präsentieren.

Rund vierzig internationale Vertreter von Industrieunternehmen, großen Markenherstellern sowie von Forschungseinrichtungen und auch Abfallwirtschaftsbehörden folgten der Einladung. „Wir sind überwältigt von der Resonanz, denn das Interesse der teilnehmenden Unternehmen öffnet uns neue Partnerschaften und Umsetzungsmöglichkeiten“, so der Tagungs- und Projektleiter Dr. Claus Lang-Koetz, Professor für Nachhaltiges Technologie- und Innovationsmanagement an der HS PF. Er leitet zusammen mit seinem Kollegen Professor Dr. Jörg Woidasky das Verbundvorhaben. Der Veranstaltungsort waren die Technika des Projektpartners Polysecure GmBH in Freiburg: „Nachdem wir erst kürzlich die neuen Technikumsräume hier in Freiburg beziehen konnten, war dieser Workshop eine einmalige Gelegenheit, neben dem Unternehmen auch die von uns entwickelte Sortiertechnik zu präsentieren“, so der Polysecure-Geschäftsführer Jochen Moesslein. „Bereits die ersten Versuche mit unserem neuen Fallrohr-Identifikationskonzept haben überzeugende Ergebnisse geliefert. Das konnten alle Workshop-Teilnehmer direkt miterleben!“ Neben der Demonstration der „Tracer-Based Sorting“ (TBS)-Sortiertechnik, bei der eigens entwickelte anorganische Leuchtstoffe durch Infrarotstrahlung angeregt werden und so die auszusortierenden Verpackungen zum Leuchten bringen, wurden weitere Prozesse des Tracer-Based Sorting wie die Markerproduktion selbst sowie die Integration des Markers auf und in den Verpackungen vorgestellt. Anschließend wurde in vier, durch Unternehmensvertreter hochrangig besetzten Arbeitsgruppen über wichtige Fragen für die weitere Umsetzung diskutiert. Unter anderem interessierte die Moderatoren der Diskussionsrunden die Einschätzung der Unternehmensvertreter zu verschiedenen Anwendungskonzepten sowie Treibern und Hemmnissen der Technologie. Wichtige Ergebnisse waren neben der Einsetzbarkeit der TBS-Technologie zur Trennung von Lebensmittel- von Nicht-Lebensmittelverpackungen auch die Kennzeichnung schlecht verwertbarer Verbundverpackungen oder die weitere Auftrennung von einzelnen Polymersorten. Da das Tracer-Based Sorting eine komplexe Innovation ist, die wertschöpfungskettenübergreifend erhebliche Auswirkungen haben wird, ist es wichtig, schon in einer frühen Phase der Innovation die Einflussgruppen einzubeziehen. Die Workshopteilnehmer vertraten die Bereiche Herstellung, Handel und Entsorgung sowie Verwaltung und bildeten damit ein hervorragendes Plenum, um neben technischen auch organisatorische und politische Fragestellungen zur Umsetzung zu diskutieren. Neben zahlreichen Teilnehmern aus Deutschland nahmen Stakeholder aus Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien und Australien am englischsprachigen Stakeholder-Workshop teil.

Informationen zum Projekt: Das Projekt MaReK (Markerbasiertes Sortier- und Recyclingsystem) wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ (FONA3) in der Fördermaßnahme „Plastik in der Umwelt“. Betreut wird das Projekt vom Projektträger Jülich (Projektträgerschaft Ressourcen und Nachhaltigkeit) im BMBF-Förderschwerpunkt „Plastik in der Umwelt“ im Rahmen der Leitinitiative „Green Economy“, Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung - (FONA³).

Projektpartner Hochschule Pforzheim, Institut für Industrial Ecology INEC (Pforzheim) (Projektleitung) Polysecure GmbH (Freiburg) Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH (Köln) Werner & Mertz GmbH (Mainz) KIT Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Mikrostrukturtechnologie (Karlsruhe) Assoziiert: Umwelttechnik BW GmbH (Stuttgart)

Weitere Informationen:

http://www.hs-pforzheim.de/marek

 

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