17.04.2018

Ressourceneffizienz oder Ressourcenverbrauch – was ist die Folge der Digitalisierung?

Beim Hessischen Ressourceneffizienz-Kongress am 12. April in Frankfurt trafen sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Im Mittelpunkt des Kongresses standen die Chancen und Potenziale, durch Digitalisierung effizienter und sparsamer mit Ressourcen umzugehen. Verschiedene Praxisbeispiele von Unternehmen gaben den Teilnehmern einen Einblick wie mithilfe von Digitalisierung eine ressourceneffizientere Produktion gestaltet werden kann.

Der Hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir, eröffnete den Kongress in einem Gespräch mit dem Geschäftsführer des VDI Zentrum Ressourceneffizienz, Dr. Martin Vogt. Al-Wazir betonte, dass digitale Technologien den Ressourcenverbrauch verringern können, sofern diese richtig eingesetzt werden. „Jetzt, wo wir am Anfang der digitalen Entwicklung stehen, ist es wichtig, das Thema Ressourceneffizienz zu platzieren und die Verantwortlichen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft mitzunehmen“, so Al-Wazir. Dass einige Unternehmen in Hessen bereits erfolgreich das Thema Ressourceneffizienz angehen, zeigten verschiedene Praxisbeispiele.

Roland Mandeler, Geschäftsführer von Optotech Optikmaschinen GmbH erläuterte die Möglichkeit, Hilfsstoffe beim Herstellen von Brillengläsern einzusparen. Mithilfe von Vakuumansaugtechnik kann der Rohling für die Brillengläser in der Glasschleifmaschine befestigt werden. Damit werden große Mengen Schwermetalle, die durch die bisherigen Alloy-Halterungen in die Umwelt eingebrachten werden (90 Prozent der heute üblichen Technik), und auch Kunststoffhalterungen (10 Prozent der heute üblichen Technik), vermieden.

Ein weiteres Beispiel stellte Annika Trappmann von der Blechwarenfabrik Limburg vor. Trappmann, Management & Corporate Identity Beauftragte, erläuterte, wie in einer „Grüne-Wiese-Neubaulösung“ aktuelle Lösungen für die Firmeninfrastruktur, Automatisierung, Logistikmethoden und Lagertechnik umgesetzt werden. Das im Innenstadtbereich freiwerdende Gelände wird Wohnraum zugeführt und dient somit allgemeinen sozialen Verbesserungen. Prognostizierte Zahlen von 40 Prozent mehr Output bei gleicher Belegschaft und 25 Prozent Flächeneinsparung, 30 Prozent Energieeinsparung sowie 100 Prozent Reststoffrecycling zeigen, was bei integrierten Lösung heute möglich ist. Für die Firma sind ökonomische und ökologische Aspekte im Einklang. Bei Investitionen wird langfristig und nicht quartalsorientiert gedacht. Das schafft Freiräume für nachhaltige Lösungen.

Dr. Hugo Trappmann, Gesellschafter der Blechwarenfabrik Limburg, konnte in der Podiumsdiskussion diese Ansätze seines Unternehmens nochmals hervorheben. Unter der Moderation von Dr. Tanja Busse, Autorin und Moderatorin, gingen die Podiumsdiskussionsteilnehmer der Frage nach, ob die Digitalisierung zu Ressourceneffizienz oder zu Ressourcenverbrauch führt. Trappmann nahm dabei die unternehmerische Sichtweise ein. Prof. Dr. Liselotte Schebek, Leiterin des Fachgebiets Stoffstrommanagement und Ressourcenwirtschaft der TU Darmstadt, Naemi Daez, Mitglied der Geschäftsführung im VDMA sowie Carl-Ernst-Müller, Koordinator der Kompetenzplattform „nachhaltig.digital“ zeigten auf, welche globalen Ziele benötigt werden, um Ressourceneffizienz in Unternehmen zu etablieren und wie diese herunter zu brechen und zu messen sind.

In den anschließenden parallelen Foren konnten sich die Teilnehmer zur effizienten Produktion, effizienten Infrastruktur, zu neuen Geschäftsmodellen, Recycling/Upcycling und Remanufacturing sowie zu Sensorik und Ressourceneffizienz näher informieren. Den Abschluss bildete ein Visionsvortrag zur Digitalisierung in der Greentech-Branche von Ralph Büchele, Partner bei der Roland Berger GmbH.

Autor

Mirjam Hofmann

Quelle

UTBW

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